Themar

Das Gebiet um Themar gehört zu den früh besiedelten im oberen Werratal. Die erste schriftliche Über

lieferung, die Rückschlüsse auf die Existenz von Themar zuläßt, ist eine Schenkungsurkunde. Nach ihr überlassen die Schwestern Sessa und Waltum ihr Eigentum in Villa Tagamari und in anderen Ansiedlungen dem Kloster Fulda. Historiker rechnen den Zeitpunkt dieser Niederschrift und damit der ersten urkundlichen Erwähnung dem Jahr 796 zu, obwohl ein genauer Zeitpunkt der Verfassung dieser Schenkungsur

Zur Geschichte von Themar

ThemarDas Gebiet um Themar gehört zu den früh besiedelten im oberen Werratal. Die erste schriftliche Überlieferung, die Rückschlüsse auf die Existenz von Themar zuläßt, ist eine Schenkungsurkunde. Nach ihr überlassen die Schwestern Sessa und Waltum ihr Eigentum in Villa Tagamari und in anderen Ansiedlungen dem Kloster Fulda. Historiker rechnen den Zeitpunkt dieser Niederschrift und damit der ersten urkundlichen Erwähnung dem Jahr 796 zu, obwohl ein genauer Zeitpunkt der Verfassung dieser Schenkungsurkunde bisher nicht eindeutig fixiert ist. Auch wenn aus der Folgezeit wenig Schriftliches überliefert ist, so lassen doch geschichtliche Daten vermuten, daß der Übergang zu einer städtischen Struktur schon sehr früh erfolgte. Begünstigt durch seine Lage am Treffpunkt mehrerer Handelsstraßen und unter dem Einfluß des Geschlechts der Grafen von Henneberg ist schon vor 1200 die Rede von einem Zent in Themar, von einem Vogteisitz um 1268 und von einem Amt nachweislich im Jahr 1341.

ThemarSchon 1303 nannte man die Einwohner civis, d.h. Bürger; danach erscheinen die Begriffe Ratsherr, Bürgermeister, Stadtgericht, 1359 Markt und danach Marktflecken, so daß man von einem städtischen Charakter sprechen kann. Der genaue Zeitpunkt der Zuerkennung des Stadtrechtes ist nicht bekannt. Die Stadtbildung kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß neben der Landwirtschaft immer stärker Handwerk betrieben wird. Es gab drei Mühlen, 1356 die Braukunst, 1463 Metzger, einen Schmied, einen Bader nicht nur für den Badebetrieb, sondern auch für medizinische Leistungen. Die Henneberger ordneten das Fischereiweisen. Durch Förderung Wilhelm III. und Verleihung des Zunftstatus 1478 wurden die Tuchmacher zum bedeutendsten Handwerk dieser Zeit. Die Werra wurde zur Flößerei benutzt. Neben dem positiven Einfluß der Henneberger ist Themar auch negativ betroffen worden, da häufige Herrschaftswechsel zu Fehden und Streitigkeiten zwischen den Herrschergeschlechtern führten. Die Teilung der Grafschaft 1274 betraf Themar insofern, daß eine Hälfte zu Henneberg-Schleusingen und die andere zu Henneberg-Hartenberg kamen. Teilung und spätere Vereinigung brachten den Wechsel des Vogtsitzes zwischen Osterburg und Themar mit sich. Ab dem 16. Jahrhundert übt die Ämter Zent und Vogtei eine Person aus. Der Vogt "regierte" den Amtsbezirk, der Schultheiß (später Bürgermeister) die Stadt. Die Entwicklung zur Stadt veränderte wesentlich das Bild der Ansiedlung. 1439 veranlaßten die Henneberger den Bau der ersten Befestigungsanlagen um die Stadt, wenn auch nur aus Holzzaun und -toren bestehend. Aber die Fehden mit den Würzburgern verlangten einen besseren Schutz, so daß 1457 nachweislich über den Bau der Stadtmauer berichtet wurde. Es entstanden bedeutende Gebäude, wie die Bartholomäuskapelle 1416, 1488 beginnend der Bau Bartholomäuskirche, 1418 die obere Kirche, der später die Friedhofskirche folgte. Die Pfarrei in Themar erhält erst im 16. Jahrhundert ihre Selbständigkeit, nachdem die Abtrennung Leutersdorf und Kloster Veßra erfolgte. Der Vorgänger des Rathauses mit den Verkaufsständen der Handwerker mußte 1608 dem Bau des ersten Rathauses weichen.

ThemarDie Entwicklung der Stadt wurde entscheidend durch den 30-jährigen Krieg unterbrochen. Die Blütezeit der Tuchmacherei, Hauptgewerbe in Themar, fand 1624 ihr Ende. Neunmal hatte die Stadt unter direkten Kriegseinwirkungen zu leiden. Am Schreckenstag 16. Oktober 1634 wurde die Stadt fast völlig zerstört. Es steht beschrieben, daß von 300 Häusern nur noch 69 übrig blieben, von 280 Familien 54 überlebten. Von den öffentlichen Gebäuden blieb nur die Stadtkirche verschont, weil General Isolani mit den durchziehenden Kroaten beim Anblick der herrlichen Altarschreine die Zerstörung der Kirche verhinderte. Der 16. Oktober wird als Gallustag heute noch als Gedenk- und Markttag gewürdigt. Das Kriegsende wurde am oberen Tor mit einem Friedensfest gefeiert. Der nachfolgende Zeitraum war durch eine starke wirtschaftliche Entwicklung gekennzeichnet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Themar von einem Ackerbau- zu einem Industriestädtchen. Mehl- und Sägemühlen entstanden, viele Gewerke entwickelten sich (Metzger, Bäcker, Schmiede, Tischler, bedeutend waren Korbmacherei, Ziegeleien, Brauereien). Das Amtshaus wurde 1665 fertiggestellt, das Pfarrhaus 1681, das Rathaus 1711.

Der Bau der Werrabahn und die Eröffnung der Bahnstrecke nach Schleusingen trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Stärkung bei. Ausgangs des 19. Jahrhunderts entstand der Ausdruck "Möbelstadt Themar" dank der vielen entstandenen Handwerks-, Klein- und Mittelbetriebe in der Möbelherstellung. Weitere Betriebe entwickelten sich nach der Stagnation durch den ersten Weltkrieg, Gerberei, Kalkwerk, Maschinenbau und andere Betriebe. Größer waren die Schrecken und die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. So waren Schäden und Tote bis zum letzten Kriegstag in Themar zu beklagen. Nachdem die ersten Schäden behoben waren, entwickelten sich Industriebetriebe, die neue Einwohner anzogen, wofür Neubauwohnungen erforderlich waren. Beeinträchtigt wurde die Infrastruktur im wesentlichen durch die einseitige Entwicklung einiger größerer Betriebe und damit die Vernachlässigung der Klein-, Mittel- und Handwerksbetriebe, durch Mängel beim Erhalt der historischen Innenstadt und deren Versorgungssystem, Wegfall des Fremdenverkehrs.

ThemarMit der Marktwirtshaft schwächt sich die Dominanz der Möbel- und Baumaterialienherstellung zugunsten der Vielseitigkeit neuer Gewerbe- und Handwerksbetriebe ab. Die Stadt sieht die gegenwärtige und künftige Entwicklung im Ausbau der Infrastruktur bei gleichzeitiger Bewahrung des historisch Wertvollen, dem Ausbau seines Gewerbebetriebes, die Förderung des kulturellen und sportlichen Vereinslebens.

Der Besucher des Städtchens findet überall in seinen Mauern, die einst seinen Bürgern Schutz und Frieden geben sollten, Zeugen der Geschichte. Die mittelalterliche Struktur der Straßenzüge, der Grundriß des Stadtkerns blieben im wesentlichen erhalten. Am Marktplatz mit seinem 100-jährigen Brunnen ragt imposant das rekonstruierte Rathaus empor, die anschließenden Häuser schmiegen sich daran. Das ehemalige Amtshaus am Schuhmarkt im Hennebergisch-Fränkischen Fachwerkstil ist eines der schönsten alten Häuser. Aber über alles hinaus ragt die Stadtkirche St. Bartholomäus. Schon ihr Äußeres veranlaßt einzutreten und die Kunstwerke in ihrem Inneren zu bestaunen: Reliefdarstellungen, wie die Bartmannköpfe, aber besonders die Holzschnitzereien des Marienaltars, der 1510 von Hans Nußbaum geschaffen wurde, der Apostelschrein, die Wallfahrtsschreine. Die sieben Türme der Stadtmauern sind zum Teil erhalten, wurden und werden rekonstruiert. Am Mauerloch findet der Gast den Hexenturm, am oberen Tor den Pulverturm.

Sehenswürdigkeiten

ThemarThemar bietet mit seiner Umgebung dem Wanderer manche Naturschönheit geologischer und naturkundlicher Art.
Der Eingefallene Berg stellt das größte und schönste Bergsturzgebiet in Südthüringen dar. Wenn der Wanderer dieses Gebiet betritt, ist er zunächst überrascht vom Anblick der zerklüfteten Muschelkalkfelsen, später am Weg zum Bergrücken findet er einen für dieses Gebiet typischen Laubwald mit Ahorn, Linde, Esche, Hain- und Rotbuche, Eiche; den Boden bedeckten Bingelkraut, Maiglöckchen, Buschwindröschen, Leberblümchen, Waldmeister, Bärlauch und viele andere Kräuter. Hier findet er auch den seltenen Türkenbund, Seidelbast, Enzian, Kuhschelle, Knabenkräuter und andere Orchideen. Die Vielfalt der Flora ist damit nicht umfassend beschrieben. Der Standpunkt auf dem Kamm bietet einen herrlichen Blick ins Werratal, auf die Häuser und Türme der Stadt, in das Schleusetal, wo in Kloster Veßra die Türme des ehemaligen Prämonstratenser-Chorstifts herausragen (jetzt lohnt außerdem der Besuch des Hennebergischen Museums), und weiter auf die Höhenzüge des Thüringer Waldes.
Benachbart befindet sich der Steinernen Berg mit der Ruine der ehemaligen Ottilienkapelle, auf dem Gipfel eines Basaltkegels, der hier den Muschelkalk durchbrochen hat. Die gleiche geologische Erscheinung weist der Feldstein auf, der sich auf dem gegenüberliegenden Bergsrücken befindet und von Themar in einer knappen Stunde zu erreichen ist. Weitere Sehenswürdigkeiten, zu denen sich Wanderungen anbieten, sind die Osterburg bei Henfstädt, der Burgberg bei Tachbach, der Kamelbrunnen am Weg nach Lengfeld, die Ottilinkapelle bei Ehrenberg. Westlich von der Osterburg befindet sich die weithin sichtbare Stickelleite. Der ehemalige Prallhang der Werra, die später ihren Lauf durch das sogenannte Nadelöhr nahm, bildet mit seinen Kalkfelsen eine eigenartige Felssteppenflora. Auf dem Weg zu diesen Orten begegnet man an den Südhängen Trockenrasengebiete auf Muschelkalkboden, die ebenfalls pflanzliche Seltenheiten aufweisen: Blaugras, Kratzdistel, Fingerkraut, Kuhschelle und viele andere.Um diese Wanderziele ranken Sagen und Erzählungen, zu deren Inhalt wohl ein Vergleich mit den Natur- und geschichtlichen Ereignissen angestellt werden sollte.
Die Lage Themars bietet Ausflugsmöglichkeiten in die Theaterstadt Meiningen, in die Spielzeugstadt Sonneberg, nach Schleusingen mit seiner Bertholdsburg, dem Sitz der Henneberger, in das Gleichberggebiet bei Römhild (Keltensiedlung) und auf die Höhen des Thüringer Waldes mit seinem Sportzentrum Oberhof.

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